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Warum ich meine Frau nicht unterstütze...

Ja, es stimmt. Ich unterstütze meine Frau weder mit dem Haushalt, noch bei der Kinderbetreuung. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich zu Hause nichts mache, oder keine Zeit mit meinem Kind verbringen würde. Ganz im Gegenteil.

 

Persönlich störe ich mich eher an dem Begriff "unterstützen". Nun mag hier der Mediator und Kommunikationstrainer mit einem Faible für die Bedeutung von Worten aus mir sprechen. Ich für mich bin aber zu dem Schluß gekommen, dass meine Rolle als Vater mit dem Wort "unterstützen" nicht richtig beschrieben wird. Wenn ich meine Frau nämlich unterstütze, legt dies nahe, dass es primär ihre Aufgabe ist, sich um den Haushalt oder die Kinder zu kümmern und ich, überspitzt gesagt, dann halt mal einspringe, um ihr etwas Arbeit abzunehmen. Nun mag der ein oder andere dies für Wortklauberei halten und möglicherweise ist dem auch so.

 

Wenn wir uns jedoch angucken, wie die Begriffe "unterstützen" oder auch "helfen" allgemein verwendet werden, dann liegt dieser Schluß aber nahe. Helfe ich zum Beispiel beim Kochen, dann schneide ich vielleicht die Zwiebeln, aber ich übernehme keine Verantwortung für das gesamte Gericht. Auch in der Berufswelt sind Helfer- oder Unterstützertätigkeiten in der Regel nicht mit der Übernahme von Verantwortung verknüpft, sondern stellen nur eine Zuarbeit dar.

Ähnlich sehe ich es bei der Frage, wie ich meine Vaterrolle wahrnehmen kann. Wenn ich mich in erster Linie als Unterstützer sehe, dann werde ich vermutlich eher auf Anweisungen warten und nur bedingt selber Verantwortung übernehmen und mich weniger mit all den Fragen auseinandersetzen, die sich als Elternteil tagtäglich so ergeben. Ich glaube, dass dies auch durchaus unterbewusst passieren kann, denn Worte und Formulierungen können Ausdruck unserer inneren Haltung sein bzw. auch umgekehrt Einfluss auf diese nehmen.

 

Für mich fängt das schon während Schwangerschaft bzw. der Geburt an. Eine Zeit, in der der Mann rein biologisch keine Aufgabe hat.

Oft wird die Rolle des Mannes gerade in dieser Phase als die eines Unterstützers definiert. So lautet zum Beispiel eine viel gestellte Frage, "ob man als Mann denn mit zum Geburtsvorbereitungskurs gehen sollte?". Eine im Internet häufig zu findende Antwort hierauf lautet: "Wenn es der Frau hilft, dann mach das einfach".

Hieran lässt sich aber genau der Unterschied erkennen. Die Frage, die ich mir doch als werdender Vater stellen könnte, ist: "Was bringt es mir persönlich, wenn ich mit zum Geburtsvorbereitungkurs gehe und möchte ich mich bewusst mit der Geburt meines Kindes auseinandersetzen?". Wenn ich mich nur als Unterstützer betrachte, werde ich mir diese Frage aber wahrscheinlich nicht stellen und nur meiner Partnerin zuliebe an einem solchen Kurs teilnehmen. Später setzt sich dieses Muster dann im Zweifel fort.

 

Hier bin ich für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein moderner Vater zu sein, sich nicht darin erschöpfen kann, jetzt auch mal eine Windel zu wechseln oder auch mal das Kind zu tragen oder es ins Bett zu bringen, um meine Frau zu entlasten. Denn an dem grundsätzlichen Bild, dass es die Verantwortung der Frau ist sich um das Kind zu kümmern, hätte sich dann wenig geändert.

Daher versuche ich, mich bewusst mit meiner Verantwortung und Rolle als Vater auseinanderzusetzen. Jeden Tag aufs Neue.

Natürlich werfen diese Überlegungen immer wieder neue Fragen auf. Zum Beispiel, wie ich meiner Verantwortung gerecht werden und meinen Teil der Aufgaben übernehmen kann, obwohl ich vielleicht derjenige bin, der Vollzeit arbeiten geht oder gehen muss.

Damit sind wir aber bei einer der gro´ßen Fragen unserer Zeit, nämlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.  Diese Frage soll dann an anderer Stelle vielleicht einmal thematisiert werden.

 

Dieser Prozess ist zweifelsohne fordernd. Sich immer wieder mit der eigenen Rolle zu befassen und immer wieder Verantwortung zu übernehmen strengt an. Warum sollte ich das dann aber tun?

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich diese Anstrengung lohnt. Zum Einen hat mein Kind zwei Eltern, die sich einbringen, was für seine Entwicklung nicht schlecht sein kann. Zum Anderen ist das Risiko, dass ich irgendwann an einem Punkt stehe und mir wünsche Dinge anders gemacht zu haben eher gering. Wenn ich nämlich so viele Enscheidungen wie möglich bewusst treffe und meine eigene Vaterrolle aktiv gestalte, muss ich aufgrund dieser bewussten Entscheidung später wenig bereuen.

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Marcel von dadvelopment (Montag, 01 Juli 2019 06:15)

    Wie gut das tut, diese Worte von einem Vater zu lesen.

    Ich störe mich auch an dem Wörtchen "unterstützen." Aus eben dem gleichen Grund.

    Danke für diesen Text.

  • #2

    Deike (Montag, 01 Juli 2019 07:50)

    Ha, kurz habe ich bei der Überschrift einen Schreck gekriegt! Gut gewählt, Jan, jetzt habe ich den ganzen Blogbeitrag gelesen und bin beruhigt, mich doch nicht in Dir getäuscht zu haben. �
    Ich glaube auch, dass Worte Wirklichkeit schaffen und man sie daher mit Bedacht einsetzen sollte. Dieser Fall ist wieder ein gutes Beispiel.
    Ich wünsche mir mehr Väter wie euch - für unsere Kinder und unsere Gesellschaft. Denn das wird einen Unterschied machen!

  • #3

    Der VäterCoach (Dienstag, 02 Juli 2019 05:15)

    Lieber Marcel, liebe Deike,

    vielen Dank für euer positives Feedback.

  • #4

    Markus Mitropoulou (Mittwoch, 21 August 2019 20:54)

    Lieber Jan,

    ein wunderbarer Beitrag. Vielen Dank dafür.

    Ich bin immer wieder schockiert, wie traditionell doch die heutigen Väter immer noch sind. Mich sicher oftmals nicht ausgenommen. Man hat unbewusst klassische Muster von seinen Eltern und der Gesellschaft aufgenommen, und muss sie, wie du schon erwähnt hast, jeden Tag aufs neue herausfordern und überdenken.
    Es gibt keine Rollenvorbilder an denen man sich messen könnte. Es gibt viele Beispiele, wie man es nicht machen will. Doch den eigenen authentischen und verantwortungsvollen Weg zu finden, ist mit Arbeit verbunden.

    Viele Grüße, Markus

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