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Warum ich mein Kind (nicht) verwöhne

Bisher habe ich ja nur davon gehört oder gelesen. Eltern, denen angeraten wird ihr Kind liegen und quengeln zulassen, anstatt es hochzunehmen, da man die Kinder damit verwöhnen würde. Vor kurzem erhielten wir jedoch einen ähnlichen Hinweis.

 

Verwöhne ich aber mein Kind, wenn ich es hochnehme, weil es mir signalisiert, dass es gerade nicht liegen möchte? Hierzu gibt es einige Artikel und Beiträge, oft von Frauen, die sich mit dieser Frage befassen und ihren Umgang mit solchen Situationen schildern. Nun möchte ich als Mann einmal meine Sicht auf das Thema einbringen.

 

Neulich las ich in einem Blog, wie eine Mutter mittlerweile auf solche Kommentare reagiert. Sie kam zu dem Schluss, dass wir alle irgendjemanden verwöhnen. Sei es, weil wir der Person etwas Gutes tun oder sie einfach in den Arm nehmen, wenn es ihr nicht gut geht. Genau das Gleiche tue sie bei ihrem Kind, so dass es für sie selbstverständlich sei das Kind zu verwöhnen.

 

Und grundsätzlich stimme ich der Aussage zu, würde aber sogar noch einen Schritt weiter gehen. Denn eigentlich ist das Hochnehmen des Kindes für mich kein Verwöhnen. Genau so wenig, wie es für mich auch kein Verwöhnen ist, meine Partnerin nach einem harten Tag in den Arm zu nehmen. Letztlich reagiere ich nur auf ein Bedürfnis und versuche dafür zu sorgen, dass es einem anderen Menschen, der mir nahesteht, besser geht.

 

Darüber hinaus ist das Tragen meines Kindes eine wesentlich natürlichere Angelegenheit, als es irgendwo abzulegen und sich selbst zu überlassen. Mittlerweile ist dieser Umstand sogar zu den Krankenkassen durchgedrungen, wie ein Artikel der AOK zeigt. Der Mensch ist ein Tragling, weshalb es nur natürlich ist Kinder zu tragen. Auch das Artgerecht-Projekt kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass Tragen für kleine Kinder und auch ihre Eltern nur von Vorteil ist. Zudem wird dort auch festgestellt, dass gerade für Männer das Tragen eine gute Möglichkeit ist, um sich um das Kind zu kümmern und historisch gesehen, zumindest auf langen Wanderungen, Männersache war.

 

Genau diesen Aspekt kann ich für mich nur unterstreichen. Als Mann fehlt mir naturgemäß die Möglichkeit mein Kind über das Stillen zu beruhigen. Das Tragen gibt mir aber die Möglichkeit dennoch eine enge Bindung zu meinem Kind aufzubauen und es zu beruhigen. Für diese Möglichkeit bin ich - trotz aller Anstrengung, die das Tragen mit sich bringen kann – sehr dankbar. Darüber hinaus empfinde ich es als noch anstrengender, wenn mein Kind abends auf dem Sofa, beim Einkaufen oder auch einfach nur beim Spazierengehen anfängt zu quengeln und ich darauf nicht reagiere. Mich persönlich stresst das deutlich mehr, als wenn ich mein Kind hochnehme und ein wenig trage, so dass es sich beruhigt. Neben dem Wunsch meinem Kind etwas Gutes zu tun, steckt also auch ein gewisser Eigennutz dahinter.

 

Verwöhne ich mein Kind also, wenn ich es hochnehme? Wenn man es als verwöhnen versteht, den Bedürfnissen eines Kindes gerecht zu werden, vielleicht. Für mich bedeutet das Hochnehmen und Tragen aber letztlich vor allem, dass ich meinem Kind etwas Gutes (Artgerechtes) tue, seinen Bedürfnissen gerecht werde und nebenbei den Stress eines quengelnden Kindes vermeide.

 

Und die Bedürfnisse anderer Menschen ernst zu nehmen, sollte so oder so eine grundmenschliche Verhaltensweise sein.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rieke (Donnerstag, 14 Juni 2018 16:23)

    da stimme ich dir absolut zu

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